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Weingut
Wetter
Im grossen ganzen war der Winter relativ mild und trocken, ideal um in den verschiedenen Wäldchen die vielen gebrochenen Äste abzusägen und zusammenzutragen. Dennoch gab es manch kühle Nacht bis unter 0° C. Anfang März hatten wir sehr schönes und warmes Wetter, doch am 20. schneite es und unter dem 21. steht in unseren Notizen „den ganzen Winter waren die Montagnes Noirs nicht so weiss“. Im April, als in der Schweiz schönstes Frühlingswetter herrschte, hatten wir ausgiebige Regenfälle. So erhielt die ganze Natur ihre nötige Feuchtigkeit. Der Sommer war schön und warm, an Regenfällen konnten lediglich einige leichtere Gewitter verzeichnet werden. Auch für die Ernte hielt das schöne Sommerwetter an, zum Glück fand diese zwei Wochen früher statt als bisher, denn anschliessend gab es dann doch einige feuchtere Tage. Ab anfangs Oktober fiel dann kein Regen mehr bis am 8.12., das Wetter wechselte zwischen Tramontan- (Nordwestwind) und Marin-Lage (Ost- bis Südwind) – einige Tage schön bei meist heftigem Wind und dann einige Tage sehr hohe Luftfeuchtigkeit, bedeckt und teilweise ebenfalls Wind. Mitte November fand ein frühzeitiger Kälteeinbruch statt für drei Tage mit Temperaturen um 0° C und Mitte Dezember wurde es noch ein wenig kälter, diesmal für eine ganze Woche. Kurz vor Weihnachten wurden wir mit Regen beschert.
Reben / übrige Vegetation
Die Winterarbeit der Winzerinnen besteht hauptsächlich im Schneiden der Reben. In den Neuanpflanzungen 2006 mussten Eisen eingeschlagen werden, um die Rebpflanzen anzubinden. Dazu kaufen wir 6 m lange Betoneisen vom Durchmesser 8 mm, die in vier Teile zertrennt werden. Neben jedem Stock wird dann so ein Eisen eingeschlagen. Bereits anfangs März konnten wir den Garten vorbereiten und Salatsetzlingen setzen sowie Radieschen und Karotten sähen. Ende März anfangs April erfolgte die Décavaillonage (Erde aus den Reihen etwas wegpflügen); dadurch wird vor allem das Unkraut aus den Rebreihen weggenommen. Am 2. April hatten sich bereits die ersten Blättchen an den Reben entfaltet. Ende April bis Mitte Mai und Ende September bis Mitte Oktober wurden im Rahmen des vor einem Jahr beschriebenen Langzeitversuchs die EM (effektive Mikroorganismen) auf den Boden ausgebracht und mit der Federegge eingearbeitet. In der gleichen Zeit wurden junge Triebe, die am Stock unerwünscht sind, abgebrochen (Epamprage z.B. am Stamm, am Cordon nach unten wachsende oder zuviel an einem Stock wachsende Äste).
Die Spritzungen erfolgten vom 10.5. bis 14.7. in Intervallen von 10 bis 15 Tagen. Insgesamt wurden 6 Spritzungen vorgenommen, hauptsächlich mit Schwefel, essigsaurer Tonerde, Brennesselbrühe und ganz wenig kupferhaltigem Blattdünger. Leider gibt es dennoch immer wieder von Mehltau befallene Felder/Stöcke.
Im Mai mussten auch die verschiedenen Neuanpflanzungen aus den letzten Jahren gehackt werden, da dort mit dem Zwischenstockräumer nicht ganz zufriedenstellend gearbeitet werden kann.
Ab Juni kamen dann die Laubarbeiten an die Reihe; dabei werden unerwünschte oder zu lange Äste abgeschnitten und z.T. Laub weggerissen, damit die Reben besser durchlüftet sind und das Spritzmittel besser an die Trauben gelangt. Ebenfalls in dieser Zeit werden in den Drahtspalieren die Äste eingeordnet.
Am 28. August zeigten Probemessungen von Grenachetrauben bereits Werte von 13,5 bis 15 % (Zuckergehalt des Saftes wird mit Refraktometer gemessen. Die Skala zeigt bei uns nicht Oechslegrade an sondern direkt den zu erwartenden Alkoholgehalt). Wir begannen deshalb aussergewöhnlich früh mit der Traubenernte: vom 29. bis 31. August „en famille“ , ab 3. September dann zusammen mit unseren Schweizer-Erntehelfern in drei Equippen zu je einer Woche.
Auf dem Bild z.B. die beiden Luzerner Alfred Häfliger und Urs Heinrich.Einen ausführlicheren Bilderbericht von der Ernte 2007 haben Sie bereitsfrüher erhalten.Am 20. September wurde die Ernte abgeschlossen. Für unseren Wein wurden 8400 kg Trauben geerntet und für die Cave Coopérative 22900 kg (ausschliesslich Carignan-Trauben).
Am 16.11. wurde wieder mit dem Schneiden begonnen.
Keller / Wein
Hier gibt es zwei ganz wichtige Ereignisse zu vermelden: Im Sommer erhielt unser GAMMA 2005 an der IWPZ 2007 (Internationale Weinprämierung Zürich) ein Silberdiplom. Etwa zur gleichen Zeit zeichnete sich ab, dass der ALPHA 2005 sich in der Flasche negativ entwickelt hatte und dadurch einen Fehlgeschmack aufwies. Wir mussten ihn vom Verkauf zurückziehen, was uns natürlich einen schmerzhaften Verlust beschert. Den Grossteil, der noch in unserem Keller in Lézignan lagerte, wurde in einen Behälter geschüttet und dann in die Distillerie gebracht. Man ersieht daraus, dass die Natur nicht geplant werden kann.
Weitere wichtige Termine waren:
Abfüllung der Weine BETA 2005 und 2006 sowie RHO 2006 am 3. Februar
Abfüllung von 400 3-Liter-BIB mit dem Rest CHAFRAL 2005 am 20. Augustüllung des RHO 2007 am 19. November
Verkauf
Am 13. März konnten wir 4 Palette Wein in die Schweiz schicken: 600 Flachen RHO 2006, je 300 Flaschen BETA 2005 und 2006, 600 Flaschen ALPHA 2005 (den wir gratis abgeben) und 600 Flaschen GAMMA 2005.
Am 7. Mai waren Chantal und Franziska zusammen an einer Weinmesse in Düsseldorf, wo Wein und weitere Produkte aus dem französischen Mittelmehrraum (Korsika, Provence, Lanquedoc-Roussillon) präsentiert wurden mit dem Ziel deutsche Händler zu interessieren. Leider ist es bis jetzt beim Interesse geblieben.
Am 19. Juni konnten wir 600 Flaschen GAMMA 2007 nach Dänemark schicken an einen Händler, der dort Restaurants und Hotels beliefert.
Am 19. September schickten wir 1200 Flaschen GAMMA 2005 und 360 BIB CHAFRAL 2005 in die Schweiz und am 7. Dezember noch den letzten Rest von 204 Flaschen GAMMA 2005 sowie 1200 Flaschen RHO 2007.
Dass der GAMMA 2005 so rasch ausverkauft war, hat drei Gründe: das Fehlen des ALPHA 2005, die Silbermedaille und die Lieferung von 850 Flaschen an die Firma Küng Logistikcenter AG in Schwarzenbach welche diese als Weihnachtsgeschenk an ihre guten Kunden abgibt und so zusätzlich Gratiswerbung macht für uns und unsere Weine. Herr Guido Küng ist in diesem Jahr auch Genossenschafter der Genossenschaft Weinhandlung Balthasar geworden.
Unter dem Titel Kunst und Wein zeigte Urs Heinrich in seinem Atelier in Sempach einige seiner Werke, gleichzeitig hatte Chantal Gelegenheit die Domaine des Espérances mit ihren Weinen vorzustellen. Der Anlass war ein voller Erfolg.
Verschiedenes
Eine Episode aus unserem Alltag möchten wir hier zum Besten geben:
Mitte März lief unsere Wasserpumpe, welche aus 80 m Tiefe unser Trink- und Brauchwasser liefert, immer öfter nicht mehr von selbst an. Grund war, dass die Pumpe offenbar zu warm wurde und den Sicherheits-Temperaturschalter betätigte. Die Pumpe war offenbar reif zur Revision, und da eine solche ja länger dauert, mussten wir eine zweite Pumpe als Ersatz kaufen. Wir versuchten nun die Pumpe selber heraufzuholen. Man muss sich vorstellen, dass Pumpe mit Motor selbst schon über 20 kg wiegen, oben an der Pumpe befestigt sich ein Plastik-Wasserrohr mit 4 cm Aussendurchmesser, ein dickes Stromkabel, zwei dünnere Kabel für Wasserstandsfühler sowie ein dünnes Drahtseil befinden. Das Ganze hat ein respektables Gewicht und muss nun aus dem senkrechten Rohr von 11 cm Durchmesser heraufgezogen werden. Wir hatten dazu als Hilfsmittel eine Eisenwinde, von Hand drehbar, auf einem Rohrgestell. Beim Heraufziehen verklemmte nun irgendetwas da unten (man sieht ja von oben nichts) und schliesslich riss das Drahtseil entzwei und fiel ins dunkle Rohr hinab.
Nun, schliesslich holten wir Hilfe von einer Spezialfirma für Foragebau (Erstellen solcher Pumpenanlagen inkl. Bohren des Lochs). Mit ihrer Hilfe hoben wir schliesslich die Pumpe. Sicherheitshalber, damit sicher alles richtig gemacht werde, beauftragten wir diese Firma, welche auch die Pumpe lieferte, mit dem Einbau der neuen Pumpe. Zwei Spezialisten beschäftigten sich damit. Als die Pumpe bald auf der richtigen Tiefe war, zeigte es sich, dass der Gehilfe das Drahtseil zu kurz vorbereitet hatte. Kurzerhand befestigten sie mit einer Schraubklemme ein Stück des alten Seils als Verlängerung. Ich versuchte zu intervenieren, dass dies sicher das Gewicht nicht tragen werde, wurde aber kurzerhand abgewiesen. Sie machten solche Arbeiten jeden Tag und wüssten schon was sie zu tun hätten. Also machten Sie weiter mit dem Hinunterlassen der Pumpe, doch nach sehr kurzer Zeit gab es einen Ruck, das Seil war prompt aus der Schraubklemme ausgerissen. Zum Glück hielt die Pumpe noch am Wasserrohr und fiel nicht ganz hinunter. Die Spezialisten befestigten dann den Schlauch mit einer Muffe und nahmen die Pumpe provisorisch in Betrieb. Es war Freitag abend – am Montag oder Dienstag wollten sie dann das Provisorium in Ordnung bringen, was bedeutet Pumpe irgendwie wieder raufholen und mit richtigem Drahtseil wieder hinunter lassen.
Das Provisorium ist noch immer im Betrieb, das Wasser läuft einwandfrei, die Spezialisten haben sich nicht mehr gemeldet. Im August sandte die Firma eine Mahnung für die nie erhaltene Rechnung. Ich schrieb zurück, dass Pumpe und Arbeit bezahlt würden, sobald die Arbeit richtig beendet sei.
Dank/Wünsche
Zum Schluss möchten wir allen unseren Freunden herzlich danken, den Genossenschaftern, den Erntehelfern, den Weingeniessern und allen, die an uns denken! Für das beginnende neue Jahr 2008 wünschen wir alles Gute, viel Glück und Freude und vor allem eine unverwüstliche Gesundheit. Es freut uns, wenn Sie mit einem Glas Wein oder Blanquette de Limoux (Aktion 3 für 2!) von der Genossenschaft Weinhandlung Balthasar anstossen. Prosit!
Ihre Winzer-Familie Marty